Was ist ein Stiller Reflux?

Stiller Reflux, anders als Sodbrennen, ist eine bisher noch wenig erforschte Krankheit.

Stiller Reflux wird durch aufsteigende Magensäure und -enzyme verursacht, welche Hals und Atemwege erreichen.

Sodbrennen dagegen entsteht, wenn die Speiseröhre durch den Reflux angegriffen wird.

Stiller Reflux: schleichender Verlauf ist typisch

Das besondere bei Stillem Reflux ist, dass es sich bei vielen Patienten nur um winzige Säuremengen handelt, welche Hals und Atemwege erreichen.

Schäden werden nicht plötzlich verursacht, sondern entstehen durch die ständige Refluxbelastung über längere Zeit hinweg. Oft haben Patienten jahre-, oder jahrzehntelang Reflux, bevor sie die Symptome bemerken. Das ist der Grund, warum die Krankheit „Stiller“ Reflux genannt wird, da das Symptome sich still und leise schleichend aufbauen.

Oft denken Patienten, oder gar Ärzte, nicht an Reflux als die Ursache der Symptome. Gerade Symptome der Stimme werden oft auf Überlastung der Stimmbänder, besonders in Sprechberufen, sowie auf andere Ursachen, wie Rauchen, oder schlichtweg hohes Alter, abgeschoben. Regelmäßig handelt es sich jedoch in Wirklichkeit um einen Stillen Reflux.

Bei Stillem Reflux handelt es sich in der Regel um einen gasförmigen Reflux. Nur in Extremfällen haben Patienten einen spürbaren flüssigen Reflux, der bis in den Mund aufsteigt. Da der Reflux gasförmig ist, bemerkt man ihn in der Regel als Betroffener nicht.

Typische Symptome bei stillem Reflux

Stiller Reflux ist dadurch gekennzeichnet, dass er Hals und Atemwege erreicht.

Wie gelangt Reflux nun in die Atemwege? Zur Verhinderung von Reflux besitzt der Körper zwei Ventile in der Speiseröhre, die sogenannten Ösophagussphinkter. Sind diese Ventile nicht ausreichend zum Stoppen von Reflux, gelangt er bis in die Atemwege, womit es sich um Stillen Reflux handelt.  

Typische betroffene Areale von Stiller Reflux Symptomen sind insbesondere Hals, Rachen, Mundhöhle, Nase, Nasennebenhöhle und die Lunge. Der Reflux verursacht dort Entzündungen und Schädigungen der Schleimhäute, was auf Dauer die typischen Anzeichen der Krankheit auslöst.

In einigen Studien wird berichtet, dass Stiller Reflux auch in Zusammenhang mit gereizten und trockenen Augen steht. Unklar ist, wie exakt Reflux bis in die Augen hingelangt. Es ist jedoch möglich, dass winzige Mengen an Reflux über die Schleimhäute bis zu den Augen wandern können. Eine andere denkbare Erklärung ist, dass der gasförmige Reflux bei der Ausatmung die Augen erreicht. Da die Augen ein extrem empfindliches Organ sind, reichen selbst winzigste Mengen, um auch dort Symptome zu verursachen.

Hier finden Sie ist eine Liste typischer Stiller Reflux Symptome:

  • Heiserkeit
  • Husten
  • Sprechprobleme
  • Rauer, oder schmerzender Hals
  • Asthma
  • Globus (Gefühl eines Kloßes im Hals)
  • Schluckprobleme
  • Häufiges Aufstoßen
  • Übelkeit
  • Infektionsanfälligkeit
  • Gereizte Augen

Diagnose von Stillem Reflux

Stiller Reflux ist schwierig zu diagnostizieren. Bis vor wenigen Jahren war Stiller Reflux kaum erforscht, anders als Sodbrennen. Entsprechend hinkt die Entwicklung von verlässlichen Testverfahren von Stillem Reflux hinterher, während die Diagnostik von gastroesophagealem Reflux (Sodbrennen) weitaus einfacher ist.

Zusätzlich erschwert wird die Diagnose dadurch, dass Säure kein zuverlässiger Indikator für Reflux ist.

Der hauptsächliche Verursacher von Stiller Reflux Symptomen ist das Magenenzym Pepsin, welches Proteine verdaut. Selbst in geringen Mengen kann es starke Symptome in den Atemwegen verursachen, da die dortigen Schleimhäute keine Abwehrmechanismen gegen das Magenenzym besitzen. Sie werden durch Pepsin geschädigt. Kleine Säuremengen dagegen sind kein großes Problem, da insbesondere der Hals regelmäßige Säurebelastung aushalten muss, beispielsweise beim Schlucken von sauren Getränken, wie Orangensaft.

Dies ist anders bei gastroesophagealem Reflux. Bei Reflux in der Speiseröhre ist Säure der Hauptfaktor, wobei die Säurebelastung aufgrund der Nähe zum Magen sehr hoch ist. Entsprechend wurden die meisten Testverfahren für Reflux in den vergangenen Jahrzehnten auf das zuverlässige Messen von Säure ausgerichtet, um somit die Stärke des Refluxes zu bestimmen.

Da bei Stillem Reflux jedoch eben das Enzym Pepsin der Hauptfaktor ist, sind diese säurebasierten Testverfahren nur sehr begrenzt aussagefähig. Sie sind ungenau, da sie nicht den Reflux selbst, sondern nur die Begleiterscheinung messen – Säure.

Oft kommt es daher auf die Erfahrung des Arztes an, Stillen Reflux anhand der Symptome zu erkennen. Dies ist jedoch verständlicherweise äußerst subjektiv und führt entsprechend oft zu Diagnosefehlern. Zudem ist es schwierig, die Stärke des Refluxes zu beurteilen.

Therapie für Stillen Reflux

Da Säure nur ein Teilbestandteil des Stillen Refluxes ist, aber nicht der primäre schädigende Faktor, ist es schwierig die Krankheit mit Standardrefluxmedikamenten zu behandeln. Die konventionelle Refluxtherapie versucht nämlich in erster Linie mit Hilfe von Medikamenten die Magensäureproduktion zu verringern.

Verschiedene Studien in den letzten Jahren haben gezeigt, dass dieser Behandlungsansatz in der Regel schlecht bis gar nicht funktioniert. Gleichzeitig kann die Verringerung der Magensäureproduktion zu Nebenwirkungen, wie zusätzlichen Magen-Darm-Beschwerden, führen.

Erfolgsversprechender scheinen Ernährungsumstellungen zu sein, welche die Ursachen des Reflux abstellen. Es gibt verschiedene Diätansätze, um dieses Ziel zu erreichen. Oft wird eine fettarme Ernährung, kombiniert mit dem Verzicht auf Speisen vor dem Zubettgehen empfohlen.

Für besonders starke Fälle sind Operationen eine Option, welche die Schutzfunktion der Speiseröhrenventile wiederherstellen sollen. Die Fehlerquote dieser Operationen ist bei Stillem Reflux jedoch hoch. Die OPs wurden für „normalen“ flüssigen Reflux in die Speiseröhre entwickelt. Gasförmiger Stiller Reflux ist jedoch weitaus schwieriger zu stoppen, als Reflux in flüssiger Form.

  • April 9, 2019