Medikamente bei Stillem Reflux

Der Stille Reflux unterscheidet sich im Krankheitsbild deutlich vom konventionellen Reflux oder Sodbrennen. Auch die medikamentöse Behandlung unterscheidet sich zwischen den beiden Formen der Erkrankung.

Während beim klassischen Sodbrennen die Behandlung auf eine Verminderung der Säureproduktion im Magen abzielt, muss beim Stillen Reflux vor allem darauf geachtet werden, dass keine sauren Getränke oder Speisen verzehrt werden, die das Verdauungsenzym Pepsin in der Speiseröhre aktivieren würden.

Das proteinspaltende Pepsin greift im sauren Milieu die Schleimhaut der Speiseröhre an, so dass es zur Vermeidung größerer Schäden wichtig ist, saure Speisen und Getränke möglichst zu vermeiden. Deshalb unterscheiden sich die Stiller Reflux Medikamente von denen, die beim herkömmlichen Reflux die wichtigste Rolle spielen.

Wie unterscheidet sich ein Stiller Reflux vom herkömmlichen Reflux?

Der Stille Reflux erhielt seinen Beinamen „still“, weil er in der Regel für den Betroffenen keine sicht- und spürbaren Symptome bereithält. Symptome werden erst durch genauere Diagnoseverfahren erkannt oder es machen sich eher unspezifische, indirekte Symptome bemerkbar wie häufiges Räuspern, Halsschmerzen, chronische Heiserkeit oder Kehlkopfentzündung.

Einen objektiven Befund kann erst eine Spiegelung der Speiseröhre und des Magens mittels einer Sonde liefern. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Veränderung des pH-Wertes in der Speiseröhre (Ösophagus) über einen Zeitraum von 24 Stunden zu messen (24-Stunden-pH-Metrie). Die Langzeitmessung lässt Rückschlüsse auf die Säurebelastung in der Speiseröhre zu und kann eine Diagnose absichern.

Der herkömmliche Reflux hingegen wird in der Regel von spezifischen Symptomen wie häufiges saures Aufstoßen von Mageninhalt, Schluckeschwerden und Zwang zum Räuspern, Druckgefühl im Oberbauch, Heiserkeit und Luftnot begleitet.

Warum wirken Reflux Medikamente meist nicht bei Stillem Reflux?

Häufig werden auch bei der Diagnose Stiller Reflux Medikamente mit den gleichen Wirkstoffen verschrieben, die auch beim herkömmlichen Reflux eingesetzt werden. Es handelt sich dabei in der Regel um Protonenpumpenhemmer (PPI) oder um H2-Rezeptorenblocker.

Einige dieser Medikamente sind sogar rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Die Wirkstoffe in den PPIs führen in den Belegzellen der Magenschleimhaut zu einer reduzierten Sekretion von Protonen in den Magen, so dass weniger Salzsäure im Magen entstehen kann. H2-Rezeptorenblocker besetzen an den Zellen der Magenschleimhaut die H2-Rezeptoren, die normalerweise bei der Nahrungsaufnahme von Histaminmolekülen besetzt werden und die Säureproduktion stimulieren.

Durch die „Fehlbesetzung“ der H2-Rezeptoren bleibt die Stimulierung aus, so dass auch in diesem Fall die Säureproduktion geringer ausfällt. Da aber eine übermäßige Säureproduktion beim Stillen Reflux nicht der Verursacher der Krankheit ist, kann mit ihnen nicht die erwünschte Wirkung erzielt werden.

Warum sollte bei Stillem Reflux der Verzehr saurer Getränke oder Speisen gemieden werden?

Stiller Reflux Medikamente in Form basischer Salze wie oben beschrieben sorgen unmittelbar nach ihrer Einnahme für eine Reduzierung der Magensäure und damit für einen höheren pH-Wert.

Eventuell aufsteigendes Pepsin in der Speiseröhre wird dadurch weniger aktiv und kann weniger Schaden anrichten. Es wäre kontraproduktiv, wenn durch den Verzehr saurer Getränke oder saurer Lebensmittel der pH-Wert im Ösophagus kurzfristig wieder gesenkt wird.

Damit würde den Pepsinen in der Speiseröhre erneut eine Angriffsfläche geboten. Pepsine verlieren beispielsweise ihre wirksame Struktur irreversibel im leicht alkalischen Milieu.

  • April 10, 2019